Erklärungsansätze zur Wirkungsweise

Bowen ist eine relativ junge Therapieform. Tom Bowen hat diese Therapie intuitiv entwickelt und sich nie um ein Erklärungsmodell bemüht. Er selbst war Praktiker. Ein Mann der Tat, der sich nicht für Theorien interessierte. Ihm war lediglich wichtig, dass das, was er tat, wirkte! Und das tat seine Therapie! 

 

Er hatte, laut einer Regierungskommission von 1973 zur Erfassung der Qualifikation und des Ausbildungsniveaus von nichtärztlichen Praxen (Osteopathie, Chiropraktik, Naturheilverfahren), im Staate Victoria eine der am besten besuchten Praxen in ganz Australien (13.000 Patienten/Jahr). Es wird gegenwärtig vor allem in Amerika und Australien noch danach geforscht, wie und warum die Bowen Moves den Prozess der Heilung fördern. 

 

Offensichtlich ist, dass der gezielte Move Energie-Impulse gibt, die den Heilungsprozess in Gang setzen. Es gibt Theorien dazu, dass sie eine Entspannung der Muskeln einleiten. Diese Entspannung wiederum reduziert den Nervendruck und ermöglicht es damit dem Körper, die erforderliche Selbstregulation vorzunehmen. Der Körper hat so die Möglichkeit, sich wieder selbst auszurichten und eine verbesserte Balance herbeizuführen. 

 

Auffällig ist auch, dass einige Lokalikationen, die bei der Bowen Therapie behandelt werden, mit den Akkupunkturpunkten und Meridianen der traditionellen chinesischen Medizin übereinstimmen. Ein weiterer Erklärungsansatz dafür, dass die Moves Energie Impulsen geben können. 

 

Ein besonders wichtiger Erklärungsansatz der Bowen Therapie ist in ihrem Einfluss auf das Lymph- und Bindegewebe sowie der leider noch wenig beachteten Funktion des Fasziensystems zu suchen. 

 

Eine Faszie ist eine wenig dehnbare, aus gekreuzt verlaufenden Fasern und elastischen Netzten aufgebaute Hülle einzelner Organe, Muskeln, Muskelgruppen. Man kann sich diese "Umhüllungen" wie einen feinen, anliegenden Folienbeutel um die Organe oder Muskeln vorstellen. 

 

Der Bowen Move führt zu einer lokalen, "wieder Bewässerung" von "ausgetrockneten" Faszien und damit zu mehr Bewegungsfreiraum. Von Faszien umhüllte Muskeln und Organen können durch die Bowen Therapie wieder die Beweglichkeit erlangen, die sie für ihre einwandfreie Funktion benötigen. 

 

Aufgrund dieses starken Einflusses der Bowen Therapie auf die "Bewässerung" unseres Gewebes, ist es auch äußerst unterstützend, wenn der Patient parallel zu seiner Behandlung viel klares Wasser trinkt und sich regelmäßig mild bewegt.

 

Deane Juhan (Job´s Body; 1987) vertritt die Auffassung, dass das Bindegewebe (insbesondere die Faszien) bei voller Funktionsfähigkeit und ausreichendem Flüssigkeitsgehalt einen ganz entscheidenden Anteil der statischen Arbeit erfüllen. Diese statische Arbeit wird sonst lediglich den Muskeln und dem Skelett zugeschrienen. Er vergleicht diese Arbeit mit der Aufrichtekraft eines Blumenstiels, der bei Trockenheit den Kopf hängen lässt und nach Bewässerung wieder Spannkraft erhält um sich aufzurichten. Ein schönes Bild, das uns allen die Wichtigkeit unseres Flüssigkeitshaushaltes leicht nahe bringen kann. Diese "Aufrichtekraft" trägt entscheidend zu einer verschleissärmeren Funktion des Muskel- und Skelett-Systems insbesondere der Wirbelsäule, bei.